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Tagebuch

 


11. September 2015
jom schischi - 27. Elul 5775 - ich "lerne" Erbarmen

Ich erwache nach an einem Traum und schaue auf die Uhr: Nach 4 h. Ich seufze und drehe mich auf die Seite. Muss ich oder muss ich nicht aufstehen? Ich muss nicht, ich war doch schon nach 1 h längere Zeit auf, um mir einen Polittalk über das herrschende Flüchtlingsdrama fertig anzuschauen. 'Bist du sicher?' Ich bin nicht sicher. Aber, lieber Vater im Himmel, Du bist doch kein Sadist? 'Nein, bin ICH nicht.' Da ein gesetzter Link auf meine gestrige Erfahrung um 5 h 30 nicht anspricht, suche ich das Wort "aber", um zu schauen, wieviel Mal es im Text vorkommt. Jetzt zeigt der Zähler: 4, vorher 2. Offenbar liege ich richtig mit diesem Tagebucheintrag. Im gesichterten Modus erscheint bei den beiden ersten Malen ein dunkler Bildschirm, ohne das Wort anzuzeigen.

Das ist für mich kein neues Phänomen. Immer wieder schon einmal konnte ich es beobachten. Es stimmte mich immer ganz ehrfürchtig, steht der dunkle Bildschirm für mich doch wie für Scheol, Unterwelt, bzw. für das andere Lokal, wo sich mein Bruder als Bankangestellter befindet.

Das Ganze ist für mich wie eine Veranschaulichung von Folter durch Schlafentzug. Ich muss Erbarmen lernen.

 

Heute Nachmittag um 3 h will mich meine Tochter sprechen. Ich spüre, dass sie Angst hat. Thema wird meine geplante verspätete Ankunft an ihrem Hochzeitsfest sein, wegen Einhaltung des Schabat. Ich möge mich hüten, etwas Unpassendes zu sagen, in Anwesenheit ihrer neuen italienischen Verwandtschaft. Unbewusst spürt sie offenbar, dass es um ihr "Sterben" geht.

Im Polittalk habe ich am Schluss gegenüber dem Juden Michel Friedman, dessen Eltern staatenlose Flüchtlinge gewesen waren, eine gewisse Empathie empfunden. Das Gleiche werde ich gegenüber meiner Tochter versuchen.

 
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