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Tagebuch

 


03. April 2008
Donnerstag - dürfen Juden nur am Schabat nicht lügen?

Ich habe aus dem Lehrbuch (Nissan/Pessach) eine ganze Reihe von Fragen, die ich meinem Lehrer stelle. Die erste kann er mir nicht beantworten. Es geht um den 10. Nissan, 4 Tage vor Pessach, der damals ein Schabat war. Im Lehrbuch lese ich:
„An jenem Schabat geschahen für Israel viele Wunder. Jede Person nahm damals ein Lamm und band es an seinen Bettpfosten. Die Ägypter, die dies sahen, fragten: Warum tut ihr dies? Die Israeliten antworteten: Um es als Pessachopfer darzubringen, so wie Gott es uns befohlen hat. Für die Ägypter waren ja diese Tiere Götter, und so knirschten sie ärgerlich mit den Zähnen, sagten aber kein Wort. ………….. So standen die Israeliten in akuter Gefahr und nur ein Wunder konnte sie retten. Darum steht dieses Wunder in direktem Zusammenhang mit Schabat und nicht mit dem 10. Nissan. Wäre es nicht am Schabat gewesen, hätten die Israeliten kein Wunder nötig gehabt, denn an einem gewöhnlichen Wochentag hätten sie irgendeinen Grund angeben können, ohne sich in Lebensgefahr zu bringen.“

Dürfen Juden nur am Schabat nicht lügen? Ist meine Frage. Natürlich nicht. Mein Lehrer weiß ehrlicherweise keine Antwort.

Ein weiteres Gesprächsthema sind die Vorschriften und Gebote (Mitzwot). Besonders am 14. Nissan (Vortag des Pessachfestes) sind durch Juden viele Mitzwot zu erfüllen. Manche betreffen den Vorabend selbst (Erew Pessach). Ich zitiere das Buch: „Wäre es nicht die Liebe und Hingabe für diese Mitzwot, könnte man sie kaum bewältigen! Es scheint geradezu, als ob man nicht genug davon bekommen könne! So wie ein Reicher nach immer mehr Reichtum sich sehnt, trachtet man nach der Erfüllung der Mitzwot an diesem Tag.“ Mein Einwand, dass eine Sucht eigentlich negativ ist, will mein Lehrer nicht gelten lassen. Das Fest sei ein solcher Höhepunkt, dass es alle vorherige Mühe vergessen lasse. Nun, mich macht die Tageslosung der Herrnhuter Brüdergemeine diesbezüglich nachdenklich: „… und es wird zugrunde gehen, Weisheit seiner Weisen …“ (aus Jesaja 29,14, Eigenübersetzung)

Eine andere Aussage im Buch, dass nämlich der menschliche Charakter durch seine Handlungen beeinflusst wird, regt weiter unser Gespräch an. Ich zitiere: „Darum sagen unsere Weisen: ‚Der Heilige, gelobt sei Er, wollte Israel Verdienste zukommen lassen. Darum gab er ihnen viele Lehren und Mitzwot.’ Diese Handlungen beeinflussen unsere Gedanken und geben unserem Leben Inhalt. Gute Taten veredeln unseren Charakter, verhelfen uns zu ewigem Leben.“

Wir sind uns darin einig, dass es entscheidend ist für unser jetziges und zukünftiges Leben, Gottes Willen zu tun.

 
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