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Tagebuch

 


13. November 2007
Dienstag - Fragen eines jüdischen Freundes

Der heutige Schiur in der Residenz wird halb in Jiddisch und halb in Iwrit vorgetragen. Verstehen tue ich wenig. Ich nehme die spezielle Atmosphäre in mir auf und freue mich über die persönliche Begrüßung durch den Rabbiner.

Heute erreicht mich folgende Mail eines jüdischen Freundes:
„Dein E-Mail habe ich mit Interesse und Berührung gelesen. Ich bewundere Deinen Mut und Deine Hartnäckigkeit beim Verfolgen Deines Ziels. Nur verstehe ich nicht, warum Du zum Judentum konvertieren willst. Du hast doch bereits eine Religion, die ihrem Credo nach der unseren überlegen ist. Das Christentum ist doch als Tochterreligion des Judentums humanistisch seine logische Weiterentwicklung. Wenn kommt denn in unserer Religion je einmal das Wort Liebe oder Verzeihung vor. Unser Gott ist ein herrschsüchtiger, rachsüchtiger, gnadenloser Gott, der die Verfehlungen der Väter noch bis ins dritte und vierte Glied an deren Kindern rächen will. Ein Widerspruch und eine Ungeheuerlichkeit, die ich nicht verstehe. Du willst also einen Schritt zurück tun. Warum? Worin besteht denn für Dich die besondere Anziehungskraft unserer Religion? Im Christentum ist doch das Judentum bereits enthalten. Alles was Dir die jüdische Religion geben könnte, hast Du bereits.“

Die Fragen scheinen mir so wichtig, dass ich versuche in diesem Rahmen eine Antwort darauf zu geben. Nun, zuerst möchte ich festhalten, dass nicht ich zum Judentum konvertieren will. Menschlich gesprochen spüre ich sogar einige Widerstände, die ich überwinden muss. Aber ich glaube, dass meine Konversion der Wille von Gott ist. Ich habe die wichtigsten Stationen meines Glaubenlebens in meinem Lebenslauf festgehalten. Wenn ich Gottes Willen tue, werde ich keinen Schritt zurück tun. Am Schluss der Verheißung steht die Warnung: „Doch hüte dich, dass du nicht stehen bleibst, wenn Ich mit dir weiter gehen will“. Warum ist mir der Wille Gottes überhaupt so wichtig? Ich stütze mich in meinem Credo auf ein Wort von Jesus: „Nicht jeder der zu mir sagt Herr, Herr! wird in das Reich der Himmel hineinkommen, sondern wer den Willen meines Vaters tut, der in den Himmeln ist“. (Matthäus 7,21, Revidierte Elberfelder Bibel) Ich identifiziere mich so weit ich dazu in der Lage bin mit Jesus, der völlig abhängig von seinem Vater im Himmel war.

Das Christentum ist wohl die Tochterreligion des Judentums, aber ohne die hebräische Bibel gar nicht denkbar. Gott ist und bleibt in Ewigkeit Derselbe. Es sind lediglich Seine Offenbarungen die weiter gehen. Auch das Judentum wird sich weiterentwickeln.

Zum Humanismus des Christentums ist zu bemerken, dass dieser wohl gut ist, aber dass das Gute der Feind des Besseren ist. Gott ist nicht einfach „der liebe Gott“. Gott ist Alles in Allem. Seine Verharmlosung hat meines Erachtens zur Abwirtschaftung der Kirche beigetragen. Diese ist in unserem Kulturkreis weitgehend bedeutungslos geworden. Mir kommt da das siebte Sendschreiben in der Johannes-Offenbarung in den Sinn: Offenbarung 3, 14-22:
14) Und dem Engel der Gemeinde in Laodizea schreibe: Dies sagt der „Amen“, der treue und wahrhaftige Zeuge, der Anfang der Schöpfung Gottes: 15) Ich kenne deine Werke, dass du weder kalt noch heiß bist. Ach dass du kalt oder heiß wärest! 16) Also, weil du lau bist und weder heiß noch kalt, werde ich dich ausspeien aus meinem Munde. 17) Weil du sagst: Ich bin reich und bin reich geworden und brauche nichts, und nicht weißt, dass du der Elende und bemitleidenswert und arm und blind und bloß bist, 18) rate ich dir, von mir im Feuer geläutertes Gold zu kaufen, damit du reich wirst; und weiße Kleider, damit du bekleidet wirst und die Schande deiner Blöße nicht offenbar werde; und Augensalbe, deine Augen zu salben, damit du siehst. 19) Ich überführe und züchtige alle, die ich liebe. Sei nun eifrig und tu Busse! 20) Siehe, ich stehe an der Tür und klopfe an; wenn jemand meine Stimme hört und die Tür öffnet, zu dem werde ich hineingehen und mit ihm essen, und er mit mir. 21) Wer überwindet, dem werde ich geben, mit mir auf meinem Thron zu sitzen, wie auch ich überwunden und mich mit meinem Vater auf seinen Thron gesetzt habe. 22) Wer ein Ohr hat, höre, was der Geist den Gemeinden sagt! (Revidierte Elberfelder Bibel)

Gott ist Gott der Geschichte. Im Christentum ist das Geschichtsverständnis weitgehend abhanden gekommen. Individualismus und persönliches Seelenheil stehen im Vordergrund. Das siebte Sendschreiben ist nicht von ungefähr das letzte. Wir stehen in der Endzeit. Gott hat einen Heilsplan in dem die Juden die zentrale Stellung einnehmen. Seine Verheißungen an das jüdische Volk wurden nie aufgehoben.

Also nochmals, ich will nicht zurück sondern vorwärts, wohin mich Gott führen wird.

 
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