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3.20. Eine weitere Zwischenprüfung in der "Lehre"

Aus meinem Tagebuch:

2. August 2010 (Montag)
Nun hat es also doch noch geklappt. Mit ausdrücklicher Bewilligung durch das israelische Innenministerium in Jerusalem, vermittelt durch das israelische Konsulat in Bern, fliege ich nach Tel Aviv. Nach Vorlegen des Schreibens an der Passkontrolle, und kurzem Abstecher zur Polizei, kriege ich den Einreisestempel im Pass, eine Seite hinter dem Einreiseverbotsstempel vom 17. Februar 2010. „Eine neue Seite ist aufgeschlagen“, könnte man sagen.

Meine Gefühle sind nicht euphorisch. Was wird mich erwarten? Die Sinnfrage meines neuerlichen Aufenthalts in Israel beschäftigt mich. Ist meine Berufung im Judentum echt? Könnte ich mich mit all meinen Visionen und Träumen getäuscht haben?

Ankunft in der Altersresidenz um ca. 20 Uhr. Ein kleiner Schock erfasst mich. Mein ganzes Inventar ist lieblos in Säcke abgefüllt. (Den Mietvertrag der 1-Zimmer-Wohnung hatte ich in meiner Abwesenheit aufgelöst.) Die Kleider, arg zerknittert, ziehe ich aus einem Koffer. Gern würde ich Ursula über meine Ankunft Bericht geben. Keine Internetverbindung! Meine Negativgefühle verdichten sich.

6. August 2010 (Freitag)
In den letzten Tagen hatte ich mehrmals Kurzschluss in der Wohnung mit jeweiligem Absturz des „Esels“, weil ich ohne Akku arbeitete. Heute morgen wieder, wie der Zimmerdienst kommt. Darauf schalte ich den Schütz ein, wie es mir der Mitarbeiter des Technischen Dienstes gezeigt hatte. Mir ist klar, es liegt am WC-Licht. Ich betätige den WC-Lichtschalter: ein Knall mit blauem Funken und das Licht ist weg und geht auch nicht mehr nach neuerlicher Einschaltung des Schützes. Darauf mobilisiere ich den Technischen Dienst. Entgegen aller Erwartung funktioniert das WC-Licht beim Mitarbeiter des TD wieder, wie wenn nichts geschehen wäre! Ich komme mir ziemlich blöd vor.
Das könnte ein Sinnbild sein. Mein gegenwärtiger Aufenthalt im Beit Tovei Ha’Ir hat Aspekte eines Kurzschlusses. Nichts geht! Es könnte aber auch eine Prüfung sein und kein Kurzschluss. Abwarten.

25. August 2010 (Mittwoch)
Ich beteilige mich an einem Ausflug, der auch extern ausgeschrieben wurde. Es nehmen ca. 100 Personen teil. In zwei Bussen fahren wir ins Westjordanland, wo wir in einer Siedlung Halt machen. Der Rabbiner der Siedlung hält einen Vortrag und gibt auf Fragen Antworten. Er hat acht Kinder und lebt offenbar unter einfachsten Verhältnissen. Ohne Berufung geht das kaum. Dann steigen wir in einem Haus in der Gegend von Bet El und Schilo ab. Derech Binyamin heißt es (Benjamins Weg). Die Inhaber betreiben Weinbau mit Eigenkelterung und eine Restauration. Der Ursprung des Hauses geht weit zurück ins 19. Jahrhundert. Wir können den Wein probieren und werden anschließend verpflegt. Zum Schluss wird uns ein Film gezeigt, der auf die Berufung der Siedler anspricht. Für diese ist die Verheißung Gottes auf Rückführung ins verheißene Land von zentraler Bedeutung (Tagebuch vom 19. August 2010). Offenbar spielen da auch Träume und Visionen eine Rolle. Der Film spricht mich an, weil auch ich in meinem Leben Träume und Visionen mit Bedeutung kenne (siehe auch Joel 3,1). Meine Bedenken vom 2. Und 6. August haben sich in Nichts aufgelöst. Es war lediglich eine (bestandene) Zwischenprüfung in meiner „Lehre“.
 

 
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