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Lebenslauf

von Eugen Senn alias Jehoschua (1980 – 2007)

Mein Leben nahm im Sommer 1980 eine entscheidende Wendung, angefangen mit einer ernsthaften, langen „Midlifekrise“. Ich war damals Verwaltungsdirektor in einem Diakonissenhaus. Infolge großer Meinungsverschiedenheiten innerhalb des Leitungsgremiums über die zukünftige Ausrichtung des Krankenhauses geriet ich in innere Nöte, aus denen ich einen Ausweg suchte. Auf Empfehlung meiner leiblichen Schwester nahm ich an einer einwöchigen Retraite im St. Johanniskonvent in Reichenschwand teil. In Selbsterfahrungsübungen wurden die Teilnehmer mit ihrer inneren Situation konfrontiert. Ich erlebte mich persönlich von einer ganz neuen Seite und merkte, dass ungeahnte Möglichkeiten in mir stecken. Viele positive Rückmeldungen anderer Kursteilnehmer machten mich wie zur zentralen Person der Gruppe. In mir entwickelten sich zunehmend nicht verarbeitbare Tagträume, die mich nicht mehr schlafen ließen. Nach einer Woche ohne Schlaf  war ich reif für die psychiatrische Klinik. Psychotische Schübe raubten mir zusehends die Herrschaft über meine Gefühle. Ein überaus eindrückliches Erlebnis hatte ich kurz vor meinem Klinikeintritt. In meiner persönlichen Andachtsecke Ruhe suchend, ging mein Kopf immer schneller zwischen einer symbolischen Schlange und einem symbolischen Kreuz hin und her. Das Tempo steigerte sich bis ich erstarrt zu Boden fiel. In diesem Moment hörte ich den „Urknall“ und unmittelbar darauf ein neugeborenes Kind schreien. Rückblickend war das meine geistliche Wiedergeburt vor ziemlich genau 27 Jahren. Die leitenden Schwestern des St. Johanniskonvents, erschreckt durch mein Ergehen, luden mich anschließend an den dreiwöchigen Psychiatrieaufenthalt zur Erholung in ihre Kommunität ein. Anlässlich eines charismatischen Gottesdienstes nahm ich folgende Verheißung für mich mit: 
„Wenn du dich Mir anvertraust und deine Hand in Meine Hand legst und dich von Mir führen lässt, so sollst du mit Mir die Grenze überschreiten in ein neues Land, das du nicht kanntest und dessen Wunder so groß sind, dass das Schönste was du dir vorstellen kannst nur ein Schatten dagegen ist. Doch hüte dich, dass du nicht stehen bleibst, wenn Ich mit dir weiter gehen will!“.
Diese Verheißung begleitet mich seither und hat nach wie vor eine wichtige Bedeutung für mein Leben.

Als ich 1994 erstmals in Israel war, machte ich geistige und auch körperliche Erfahrungen wie ich sie vor- und nachher nicht mehr erlebt habe. Ohne näher auf die Details einzugehen war mir damals klar dass es sich dabei um die verheißene Grenzüberschreitung handelte. Doch ging mir die Sache zu wenig klar und schnell. Auf mein inneres Drängen erhielt ich die ganz deutliche Eingebung: „Verachte nicht die Zeit der kleinen Anfänge!“. Obschon eigentlich eine Ermahnung, berührte mich diese Eingebung positiv, da sie mir grundsätzlich meinen Weg bestätigte. In den Folgejahren bis 1998 war ich noch dreimal in Israel, in der Hoffnung mehr in der angedeuteten Art zu erleben. Nichts dergleichen geschah und ich ließ die Sache ruhen. Als ich im Jahr 2003 auf einer Internetseite die Werbung für die Wohnung „Beit Yona“ entdeckte, „stach mich der Hafer“. Hier muss ich einfügen, dass die Selbsterfahrungsgruppe zum Abschluss der Kurswoche in Reichenschwand ein Gruppenbild ohne vorgegebenes Thema auf einer Wandtafel zeichnete. Heraus kam ein großer Walfisch und unausgesprochen klar war, dass ich Jona aus der biblischen Geschichte war. Ich wusste damals noch nichts damit anzufangen. Erst später, mit Hilfe eines Seelsorgers, wurde es mir klar. Obwohl ich nach einem weiteren Klinikaufenthalt aus meiner Direktionsstelle entlassen wurde, war ich es, der vor meiner Berufung flüchtete. Als ich die Anzeige zum Beit Yona sah dachte ich, es könnte etwas mit der Jonageschichte zu tun haben. Jona erhielt bekanntlich eine zweite Chance. Diese wollte ich mir nicht entgehen lassen. Ich mietete die Wohnung im April 2004 kurzerhand für drei Wochen. Diese Zeit entwickelte sich als persönliche Retraite in der ich viele Träume erhielt. Einer davon, eine hebräische Eingebung, bewegte mich besonders. "Mi misrachi Ya yischlach" (von einem Orientalen wird Jahwe senden). Wer dieser Orientale war und was er senden würde, blieb offen. Ebenfalls in einem Traum wurde mir verheißen, dass ich in Jerusalem eine Banklehre machen könnte.

Im Herbst 2004 nahm ich in Jerusalem am Laubhüttenfest, organisiert durch die Christliche Botschaft, teil. Einer der Redner war Bruder Yun, ein wegen seines Glaubens schwer verfolgter Chinese, der in Deutschland Asylrecht erhalten hat. Sein Lebensbericht, den ich später im Buch „The Heavenly Man“ nachlas, beeindruckte mich tief. Mir wurde klar, dass Bruder Yun der verheißene Misrachi war, und ich suchte nach einer Kontaktmöglichkeit. Anfangs Mai 2005 befand er sich auf einer Vortragstournee, und ich nahm an drei Anlässen teil und unterbreitete Bruder Yun meinen Traum und Eindruck. Nachdem er darüber gebetet hatte, war er zu Einsicht gelangt, dass ich einen lebenslänglichen Auftrag an den Juden habe, um Schuld der Christen an den Juden wieder gut zu machen. Es sei ein lebenslänglicher Auftrag, betonte er.  Er legte mir die Hände auf und segnete mich für den Dienst.

Im Herbst 2006, am Ende eines dreimonatigen Sprachaufenthalts in Jerusalem, sprach mich ein durch Schläfenlocken gekennzeichneter orthodoxer Jude aus heiterem Himmel in befehlendem Ton an: „Du musst jüdisch werden!“ Auf meine erstaunte Frage „Warum? ich bin Christ!“ antwortete er mir: „Gerade deswegen. Jesus war Jude.“ Dem konnte ich eigentlich nichts entgegen halten. Im Nachhinein war mir dieser orthodoxe Jude, obwohl eine Zigarette rauchend, wie ein Engel Gottes erschienen, was mich intensiv beschäftigte. Mir kamen zwei Ereignisse in den Sinn, die ich im April 2005, auch in Jerusalem, erlebt hatte. Beim einen Ereignis handelte es sich um einen Heizlüfter in der Dusche, den ich am Schabat trotz größter Anstrengung nicht in Betrieb nehmen konnte. Am nächsten Tag lief der Apparat wieder problemlos. Das zweite Ereignis betraf ein Essen. Ich hatte einen Besuch eingeladen und Fleisch an einer Rahmsauce zubereitet. In der folgenden Nacht entwickelten sich bei mir empfindliche Bauchschmerzen, so dass ich eine Apotheke aufsuchen und mir ein Medikament geben lassen musste. Ich dachte an verdorbenes Fleisch, doch erfuhr ich, dass der Besuch nachträglich keine Beschwerden, wie ich, hatte. Das Ganze kam mir wie eine göttliche Aufforderung vor, jüdisch zu werden.

Nun machte ich Ernst. Ich schrieb am 21. Februar 2007 dem Rabbiner der jüdischen Gemeinde, teilte Ihm meinen Eindruck mit und schilderte ihm mein Leben seit 1980 und bat ihn um ein Gespräch, um die Möglichkeiten und Bedingungen für eine Konversion zum Judentum zu erfahren. Nachdem ich bis am 23. Mai 2007 keine Antwort erhalten hatte, versuche ich dem Rabbiner zu telefonieren. Da er das Telefon nicht abnahm, sprach ich auf das Tonband des Telefonbeantworters und bat um Beantwortung meiner Anfrage. Ich nahm mir vor, nach einem Monat nochmals anzurufen, sollte ich bis dann immer noch nichts gehört haben. Gleichzeitig nahm ich mir vor, wenn der Bericht des Rabbiners negativ ausfallen würde, in Jerusalem Anstrengungen zu unternehmen, um zum Judentum zu konvertieren. Ich fasste den 25. Juni 2007 ins Auge, um zu telefonieren.

Engelbild von Eberhard M√ľnch auf meinem 14. Traumbuch
 
Eberhard Münch,
© Präsenz Kunst & Buch, 65597 Hünfelden

 

24. Juni 2007 (Johannistag) / Nacht-Erfahrung:

Ca. 2 h 50 erwache ich an einem krampfhaften Schmerz im rechten Schienbein. Gleichzeitig höre ich ein sich wiederholendes lech lecha! (Gehe wirklich dorthin!) Zudem sehe ich ein Miniaturgesicht kleinsten Ausmaßes. Filigrane Linien gehen in großen Bögen vom Miniaturgesicht aus, ähnlich dem Engel auf der Umschlagseite meines neusten (14.) Traumbuchs (Bild von Eberhard Münch, s. rechts.)

Der Schmerz ist trotz aller Positionsverlagerungen nicht wegzubringen. Ich bin einfach gezwungen aufzustehen.

Sinnbild:
Lech-lecha! ist die dringliche Aufforderung an Abram (Abraham), in ein ihm fremdes Land zu ziehen. (1. Mose 12,1 ff.)

Die gleiche Aufforderung erhalte nun auch ich.

Lieber Vater im Himmel: Deinem Ruf folge ich gern! Ich verzichte auf weitere Demarchen bei der jüdischen Gemeinde.

Anruf:
Lech-lecha! Mache dich auf nach Jerusalem! (ins verheißene Land)

Nachbemerkung zur Nacht-Erfahrung:
Dass dieser Anruf gerade am Johannistag erfolgte, ist kein Zufall.

Die grundlegenden Erfahrungen zu meinem „neuen Leben“ hatte ich ziemlich genau vor 27 Jahren im St. Johanniskonvent gemacht.

Meine Folgerung:
Ich beabsichtige möglichst schnell nach Jerusalem zu übersiedeln und dort eine Konversionsschulung zu absolvieren. Ideal schiene mir, wenn ich mit einer jüdisch-orthodoxen Familie zusammenleben könnte, um die jüdischen Sitten und Gebräuche vor Ort zu lernen. Hilfreich wäre ferner eine Umgebung, die meine Hebräischkenntnisse vertiefen ließen.

- Lebenslauf im Sommer 2007 verfasst -

 
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